20. März 2020

Gemeinschaft neu und groß denken

Mannheim

Nähe und Gemeinschaft stiften in Zeiten, in denen Sozialkontakte auf Eis liegen: Ab heute werden in den Mannheimer Kirchen täglich um 18.55 Uhr die Glocken läuten. Sie stimmen auf zwei Aktionen ein, die um 19 Uhr beginnen und Gemeinschaft über die eigenen vier Wände hinaus stiften: ein häusliches Gebet sowie Balkonsingen.

„Gerade jetzt, wo wir uns nicht in gewohnter Weise begegnen können, wollen wir dazu beitragen, dass die Menschen sich trotz räumlicher Distanz verbunden fühlen“, erläutern der katholische Dekan Karl Jung und sein evangelischer Kollege Ralph Hartmann die Initiative.

Wie der Einzelne diese verabredete Andachtszeit gestaltet, kann dabei ganz unterschiedlich sein: Vielerorts werden um 19 Uhr bereits Kerzen in die Fenster gestellt. Lied- und Gebetsvorschläge haben zahlreiche Kirchengemeinden bereits erarbeitet, die an den Gotteshäusern mitgenommen werden können.

Balkonsingen, die bundesweite Aktion der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), hat auch in Mannheim seit Mittwoch gute Resonanz gefunden: Menschen in Italien und in Spanien haben es vorgemacht, wie Gemeinschaft trotz Distanz entstehen kann. Sie singen am offenen Fenster und auf dem Balkon, sie begleiten sich mit Instrumenten und stimmen gemeinsam mit anderen ein Lied an.

Die EKD lädt zum Balkonsingen mit einem Klassiker ein: Dem beliebten Volks- und Kirchenlied „Der Mond ist aufgegangen“. Ob die erste Strophe, die vielen bekannt ist, mehrfach gesungen wird, ob ein Straßenzug oder Häuserblock sich auch für andere Lieder verabredet – wichtig ist, sich zu verbinden und gemeinsam Schönes zu schaffen.

„Wir alle spüren, wie ernst die Lage ist, daher gilt auch für diese Aktion, sagen Sie es weiter, aber bleiben Sie zu Hause“, sind sich die Mannheimer Dekane einig. „Unser Ziel ist es, mit dieser Initiative Gemeinschaft neu und groß zu denken, im Rahmen aller gebotenen Maßnahmen zum Schutz der Menschen.“

Sein evangelischer Kollege ergänzt: „Daher gehen wir in diesen Zeiten mutig ungewohnte Wege für und mit den Menschen in dieser Stadt!“ Solidarität und Mitmenschlichkeit würden dann greif- und erlebbar, wenn sie in Gemeinschaft aufgingen, so Jung und Hartmann: „Daher setzen wir Verunsicherung und Angst Hoffnung und Zuversicht entgegen, denn das ist es, was entsteht, wenn der Einzelne spüren kann: Ich bin nicht allein – nicht im Alltäglichen und nicht im Glauben.“