29. August 2018

NS-„Euthanasie“ und Mannheim

alter Bus
Mit solchen Bussen wurden die Euthanasie-Opfer abtransportiert. Foto: Marchivum

Mannheim

Im April 2017 startete am Historischen Institut – Lehrstuhl für Zeitgeschichte (Prof. Dr. Philipp Gassert) in enger Kooperation mit dem MARCHIVUM (Prof. Dr. Ulrich Nieß) ein besonderes Forschungsprojekt.

Es geht um die Auswirkungen des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms für Mannheim ab 1939.

Durch den Massenmord an Menschen, die sich auf Dauer nicht selbst versorgen konnten, sparte der NS-Staat Gebäude, Pflegekräfte, Medikamente, Ärzte, Nahrung und vor allem Geld ein – um diese Ressourcen für den Zweiten Weltkrieg zu nutzen.

Alleine im Deutschen Reich fielen dem Programm zwischen 150.000 und 200.000 Männer, Frauen und Kinder zum Opfer. Das Mannheimer Forschungsprojekt hat dabei das Ziel, die „Euthanasie“-Verbrechen im Kontext der Stadt Mannheim zu untersuchen.

Denn, so die ersten Ergebnisse, allein in der Quadratestadt sind mehr als 1.000 Todesopfer zu beklagen.

Das Projekt will die Einzelschicksale der Opfer erhellen, aber auch untersuchen, welche Rolle der Stadtverwaltung, der Gesellschaft, den Behörden und Institutionen bei diesen Verbrechen zukam.

Für Mannheim, wie für die meisten deutschen Großstädte, liegt bislang keine systematisch-wissenschaftliche Untersuchung der „Euthanasie“-Verbrechen vor.

Es ist ein besonderes Anliegen der Forschungsarbeit, neben den amtlichen Quellen auch Zeitzeugen-Interviews einzubeziehen. Angehörige von Mannheimer Opfern des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programmes, die mit ihren Erinnerungen das Projekt unterstützen möchten, sind herzlich eingeladen.

Aber auch Personen, die sich im Allgemeinen an das Thema „Euthanasie“ während der NS-Zeit in Mannheim erinnern (z.B. an den damaligen Unterricht in der Schule, an Gespräche hierüber in der Familie, im Freundeskreis oder in der Kirche, an verbreitete Gerüchte oder Ängste in der Stadt), werden gebeten, Ihr Wissen mitzuteilen.

Die Zeitzeugen-Interviews werden von der Projektmitarbeiterin Lea Oberländer geführt.

Interessierte wenden sich bitte an folgende Adresse:
Universität Mannheim, Historisches Institut /Lehrstuhl für Zeitgeschichte, Sekretariat
z. Hd. Frau Lea Oberländer
68131 Mannheim

Telefon 0621 181 3681

E-Mail: chpeter@mail.uni-mannheim.de