28. Mai 2018

SV Waldhof-Aufstiegsspiel wegen Fankrawallen abgebrochen

“Die Folgen für den Verein sind heute noch nicht absehbar“

Bengalisches Feuer
Auch im Gästeblock wurde Pyrotechnik abgebrannt. Foto: Kranczoch

Mannheim

Um den Sport ging es am Ende nicht mehr. Dass der SV Waldhof Mannheim es auch im dritten Anlauf nicht geschafft hat, in die dritte Liga aufzusteigen und sich dem KFC Uerdingen 05 geschlagen geben musste, rückte vor dem bürgerkriegsähnlichen Szenario in den Hintergrund.
Das Spiel im ausverkauften Carl-Benz-Stadion wurde von Schiedsrichter Patrick Ittrich pünktlich um 14 Uhr angepfiffen. Doch beim Spielstand von 1:2 wurden gegen 15.45 Uhr von der Osttribüne, in der Anhänger des SV Waldhof standen, massiv Pyrotechnik, bengalische Feuer und Rauchtöpfe abgebrannt. Immer wieder explodierten Silvesterleuchtraketen und Böller, die auf das Spielfeld verschossen wurden, und flogen den Ordnern um die Ohren. Ein Ordner wurde dabei verletzt. Am Ende pfiff Schiedsrichter Patrick Ittrich die unterbrochene Partie erst gar nicht wieder an.

Dann gingen die Auseinandersetzungen aber erst richtig los. Mehrfach versuchten nun Waldhöfer zu den Gästefans vorzudringen, was die Polizei unter Einsatz von Tränengas verhindern konnte. Zwei Waldhofanhänger, die auf einen Ordner eingeprügelt hatten, wurden festgenommen. Vor dem Szenetreff kam es zu weiteren Ausschreitungen. Die Polizei wurde von Waldhofanhängern mit Flaschen und Gläsern beworfen. Auf einen Polizeibeamten, der am Boden lag, wurde massiv eingetreten, unter anderem auch gegen den Kopf und in den Unterleib.
Fazit: Insgesamt wurden 45 Personen verletzt, die Ermittlungen – unter anderem wegen Einsatzes von Pyrotechnik, Landfriedensbruch, Körperverletzung – laufen und der SVM bleibt viertklassig.

Die Wogen der Auseinandersetzungen werden aber noch eine Weile hoch schlagen. „Die gesamte Stadt stand hinter dem Waldhof Mannheim“, meldete sich beispielsweise Oberbürgermeister Peter Kurz zu Wort. Die Geschehnisse hätten gezeigt, „dass dennoch die Zeit für den Aufstieg auch jenseits des Sportlichen offensichtlich nicht reif war.“ Der Spielabbruch im Spiel gegen KFC Uerdingen sei der „traurige Höhepunkt einer sogenannten 'Fankultur', die wir endlich überwinden müssen. Die Folgen für den Verein sind heute noch nicht absehbar. Er hat dies aufzuarbeiten, aber auch Polizei und Stadt haben die Aufgabe, die Geschehnisse genau zu analysieren und Konsequenzen zu ziehen. Mir tut es leid um die Mannschaft, das Trainerteam, ebenso auch um die Fans, die Sport erleben und ihren Verein unterstützen wollten“.