4. März 2021

Wohnungslosenhilfe ist trotz Corona für die Menschen da

Menschen beim Zeitung lesen
Das Angebot wird gerne angenommen. Foto: zg

Mannheim

Kein Zuhause als Rückzugsort, Aufenthaltsorte geschlossen, Gruppenbildung verboten – obdachlose Menschen leiden in besonderer Weise unter den Corona-Einschränkungen. So war das Jahr 2020 für die Caritas-Wohnungslosenhilfe eine große Herausforderung. Aber es ist gelungen, trotz der Corona-Maßnahmen durchgehend Angebote aufrechtzuerhalten.

„Wohnungslose gehören auch zu den vulnerablen Zielgruppen, sie wurden aber von den meisten vergessen. Es ist wichtig, diese Menschen in den Blick zu nehmen“, sagt Regina Hertlein, Vorstandsvorsitzende des Caritasverbands Mannheim. „Es gehört zu unserem Selbstverständnis als Caritas, für wohnungslose Menschen da zu sein – auch und gerade in Zeiten von Corona.“

Um nur einige Probleme zu nennen: Dass öffentliche Toiletten, Schwimmbäder, Geschäfte und Gastronomie geschlossen wurden, führte zu einer schnellen Verwahrlosung von Obdachlosen. Einnahmen durch Betteln oder Flaschensammeln fielen weg.

Durch die Kontaktbeschränkungen mussten sich Gruppen aufspalten. Auch herrschte gerade am Anfang eine große Verunsicherung durch Unwissenheit über das Virus und die aktuelle Situation.

Gleichzeitig musste auch die Wohnungslosenhilfe ihre Angebote wegen des Infektionsschutzes einschränken und verändern. Sowohl die Tagesstätte für Wohnungslose als auch die „Oase“ für wohnungslose Frauen mussten im März 2020 ihre Türen für den Aufenthalt schließen.

Stattdessen gab die Tagesstätte Lunchpakete und Kleidung über das Fenster aus. Auch die medizinische Sprechstunde und die Sozialsprechstunde fanden darüber statt. Ab April durften Klienten wieder ihre Wäsche zum Waschen abgeben und die Toiletten benutzen.

Im Oktober wurde die Tagesstätte mit einem speziellen Hygienekonzept wieder für den Aufenthalt geöffnet. Die „Oase“ öffnete erst für Einzelberatungen und später in zwei Schichten mit begrenzter Personenzahl.

Das Wannenbad im Herschelbad, das von Ehrenamtlichen betreut wird, konnte nicht gewohnter Form angeboten werden, da viele Ehrenamtliche selbst zur Risikogruppe gehören. Stattdessen öffneten Mitarbeitende der Tagesstätte gemeinsam mit jungen Ehrenamtlichen das Wannenbad mit der Möglichkeit zu duschen.

Die kalte Jahreszeit macht dem Team diesmal besondere Sorgen. Klientinnen und Klienten würden immer wieder die Erfahrung machen, dass sie stark erschwerten oder keinen Zugang in die städtische Übernachtungsstelle in der Bonadiesstraße bekämen, sagt Stefanie Paul: „Insbesondere Menschen aus dem EU-Ausland ohne Sozialleistungsanspruch wird der Zugang erschwert, verweigert oder ist so angstbelegt, dass sie sich nicht mehr trauen zu versuchen, dort unterzukommen.“

Die Stadt Mannheim wertet die Übernachtung in der Notübernachtungsstelle als Antrag auf Sozialleistungen. Menschen aus dem EU-Ausland werden damit der Ausländerbehörde gemeldet und wären somit ausreisepflichtig. „Eine Notübernachtung darf insbesondere im Winter nicht als Sozialleistung gelten – es geht hier um Erfrierungsschutz und damit um einen unkomplizierten Zugang.

Mannheim sollte sich hier dem Vorbild anderer Städte anschließen“, sagt Regina Hertlein. „Es geht einzig darum, Menschen vor dem Erfrieren zu bewahren.“