12. März 2019

Warum wird das badische Hofsilber so schnell schwarz?

Tafel mit Hofsilber
Michael Hörrmann (links) und Werner Hiller-König rätseln über die Ursache der Verfärbung. Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg/Harry Filsinger

Mannheim

Kandelaber, Saucieren, Terrinnen, Teller und Besteck aus kostbarem Silber und reich verziert mit Ornamenten und fein ausgearbeiteten Putten: Die opulent eingedeckte Tafel im ehemaligen Ersten Vorzimmer des Kaiserlichen Quartiers gehört zu den besonderen Schätzen im Mannheimer Barockschloss.

Funkeln und glänzen soll das Service wie zu Zeiten von Großherzog Ludwig daher eigentlich. Doch das badische Hofsilber, das im Auftrag von Großherzog Ludwig von Baden zwischen 1823 und 1838 vom berühmten Silberschmid Jean-Baptiste-Claude Odiot in Paris hergestellt und anschließend um einige Stücke aus den Pforzheimer und Karlsruher Hofsilberwerkstätten ergänzt wurde, hat sich nach seiner aufwendigen Reinigung im Jahr 2013 erneut schwarz verfärbt, und das wesentlich schneller als vermutet.

Da Silber üblicherweise auf Schwefelverbindungen reagiert, tippten die Restauratoren zunächst darauf, dass etwas der Raumluft liegen könnte. Messungen durch das Fraunhofer Institut ergaben jedoch: Die Luft im Schloss ist rein. Liegt es also vielleicht an der Beschaffenheit des Hofsilbers selbst? Reagiert es aufgrund seines ungewöhnlich hohen Silberanteils so schnell?

Immerhin hat das Mannheimer Labor des Curt-Engelhorn-Zentrums Archäometrie gGmbH mittels Röntgen-Fluoreszensanalysator herausgefunden, dass die Stücke aus französischer Herkunft einen extrem hohen Silbergehalt von 95 bis 98 Prozent aufweisen.

Und genau diese Serviceteile sind deutlich erkennbar mehr dunkel verfärbt als die Vasen, Kerzenleuchter und Bestecke aus den deutsch-badischen Werkstätten mit „nur“ 85 Prozent gemessenem Feinsilbergehalt.

Die Schließung des Schlossmuseums seit 4. März wird man daher dafür nutzen, weiter Ursachenforschung zu betreiben und nach geeigneten Schutzmaßnahmen zu suchen – vielleicht aus dem Bereich der Nanotechnologie.

Nur eines steht fest: Im Depot oder unter einer Vitrine im XXL-Format verschwinden wird das kostbare Silber nicht. „Dann stellen wir es lieber so aus, wie es ist“, sind sich Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, und Restaurator Werner Hiller-König einig.

Denn auch intensives Putzen und Polieren ist keine Lösung, da dadurch immer auch etwas vom Silber abgerieben wird.