3. November 2020

GKM-Diskussion im Neckarauer Volkshaus

Menschen bei einer Versammlung
GKM-Diskussion im gut besetzten Volkshaus. Foto: Kranczoch

Neckarau

Wie ist die Zukunft des GKM und der Wärme- und Energieversorgung in Mannheim und der Metropolregion? Das war die Fragestellung beim von der SPD Neckarau organisierten Expertengespräch im Volkshaus Neckarau.

Auf dem Podium saßen auf Einladung des SPD-Ortsvereins Neckarau die Umweltwissenschaftlerin Dr. Amany von Oehsen vom BUND Heidelberg, Holger Becker, Kaufmännischer Vorstand des GKM, der GKM-Betriebsratsvorsitzender Ümit Lehimci, Dr. Hansjörg Roll als Mitglied des Vorstands der MVV Energie AG sowie der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Dr. Boris Weirauch MdL.

Die Moderation führte der Neckarauer SPD-Stadtrat Dr. Bernhard Boll.

Hintergrund: Das vom Bundestag beschlossene Kohleausstiegsgesetz sieht vor, die Kohleverstromung schrittweise zu verringern und bis spätestens Ende 2038 ganz zu beenden. Was bedeutet diese Entscheidung für das Großkraftwerk Mannheim (GKM), das insbesondere mit dem modernen Kohle-Block 9 im Vergleich zu anderen Kohlekraftwerken effizient Strom erzeugt?

Über 60 Prozent der Mannheimer Haushalte werden mit Fernwärme aus dem GKM beheizt. Mit einer Länge von über 800 Kilometern gehört das Fernwärmenetz der Metropolregion Rhein-Neckar mittlerweile zu den größten in Europa. Hat das GKM als Erzeuger von Fernwärme und Energie für Mannheim und die Region überhaupt noch eine Zukunft?

„Die grüne Fernwärme bis 2030 ist zwar sehr ambitioniert, aber technisch möglich“, so Amany von Oehsen und verwies auf das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens. Wie? Aus Rhein und Neckar könne man „riesige Wärmemengen“ entnehmen. Dazu müsse aber auch der (Energie-)Verbrauch „etwas zurückgehen“; beispielsweise durch besser gedämmte Häuser.

„Block 9 wird voraussichtlich 2033/2034 außer Betrieb gehen“, kündigte Holger Becker an. Ein Gasturbinenwerk können durchaus als Ergänzung oder Ersatz für einen Steinkohleblock dienen. Auch für die Flusswärme habe man Kompetenzen im Hause GKM. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

„Die Angst der Belegschaft ist riesengroß“, berichtete Ümit Lehimci aus dem Betriebsrat zum Thema Zukunft des GKM. Anders als noch vor 30 Jahren sei ein Arbeitsplatz im Großkraftwerk nicht mehr krisensicher. Auch die Ausbildungsplätze seien damit in Gefahr, warnte er. „Aber wir werden bis aufs letzte kämpfen, dass die Ausbildung im GKM erhalten bleibt.“ Zudem müsse der Kohleausstieg sozialverträglich sein.

So lange man „systemrelevant“ sei, seien auch die Arbeitsplätze sicher“, versicherte Becker. Aber die Zeit bis 2025 müsse man nutzen, um die Transformation zu planen. „Wo geht die Reise überhaupt hin? Welche Qualifikation brauche ich“, seien die drängendsten Fragen, entgegnete Lehimci.

Können die Mitarbeiter so weitergebildet werden, dass sie weiterbeschäftigt werden können? Man sichere Arbeitsplätze im Ausland durch Stromimport „und bei uns werden die Arbeitsplätze abgebaut. Das verstehe ich nicht.“

Arbeitsplätze würden auch innerhalb der Erneuerbaren Energien gebraucht, argumentierte von Oehsen. Man könne aber nicht einfach den „Schalter umlegen“ und morgen hätten alle Kohlekraftwerksmitarbeiter einen Arbeitsplatz in der Geothermie, entgegnete Holger Becker.

„Wir werden alles tun, dass der Transformationsprozess nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird“, so Bernhard Boll.

Generell habe der Standort GKM für Geothermie, für Flusswärme und „vielleicht auch für Biomasse eine Perspektive“, so Hansjörg Roll. Aber das Gesamtsystem werden aus mehreren Erzeugern bestehen müssen.

Auch besorgte Bürger kamen zu Wort. „Kein Land sei so dumm, gleichzeitig aus der Kern- und der Kohleenergie auszusteigen“, so beispielsweise Alt-Stadtrat Helmut Wetzel. Zudem würden auf der ganzen Welt nicht nur Kohlekraftwerke weiter betrieben, sondern sogar neue gebaut.

„Wirtschaft stärken, Umwelt schützen, Arbeitsplätze sichern“, müssten immer berücksichtigt werden, schloss Boris Weirauch die Diskussion, die in den kommenden Monaten und Jahren sicher weitergehen wird.